Erziehung

Der Maremmano Abruzzese ist ein "eher leicht" zu erziehender Herdenschutzhund, da er sehr lernfähig ist. Maremmaner Hirtenhunde lernen bei freundlichem, motivierendem Umgang sehr schnell und leicht.
Vor allem ist zu beachten, dass bei Herdenschutzhunden die Anwendung veralteter, gewaltsamer Erziehungsmassnahmen,wie schlagen, treten, der veraltete Alphawurf und viele andere Zeugnisse und Auswüchse geringer menschlicher Intelligenz nicht zum gewünschten Erfolg, sondern eventuell sogar zu aggressivem Verhalten führen kann.

Der Maremmano Abruzzese sollte mit ausgiebig Lob und Freundlichkeit motiviert werden, denn auch der Hund muss Spass am Training haben - dies ist am besten mittels positiver Vestärkung zu erreichen. Bei viel Ruhe, Liebe und Konsequenz werden Übungen schnell erlernt.

Anschreien oder, wie schon beschrieben, gar körperliche Strafen vertragen Maremmaner Hirtenhunde, wie auch andere Herdenschutzhunderassen sehr schlecht. Nicht selten quittieren sie solch unangemessenes Verhalten von Seiten des Halters mit Auflehnung und aggressivem Verhalten.
Trotzdem muss die soziale Struktur im Zusammenleben mit Menschen klar definiert sein. Der Maremmano Abruzzese ist ein selbständiger, eigenwilliger, manchmal sturer Hund, der sich seinem Halter nie bedingungslos in "Gebrauchshundemanier" unterordnet.
Um Herdenschutzhunde bestmöglich ausbilden zu können, bedarf es eines ruhigen, souveränen "Rudelführers", einer „Leitfigur“, die aufgrund ihrer guten Bindung zum Hund von diesem gerne akzeptiert wird. Daher muss die Hierarchie im Zusammenleben mit einem P.M.A. klar definiert sein, der Hund klare Linien und Grenzen von Seiten seines "Capo's" erkennen können.
Dies erreicht man, wie schon erwähnt, nicht durch harte Strafen, sondern durch freundliche Konsequenz, viel Ruhe und vor allem Souveränität.

Hunderziehung sollte immer auf Basis von Vertrauen, Verständnis, Kommunikation und einem eindeutig definierten sozialen Status zwischen Mensch und Hund funktionieren.

Vertrauen:

Um erfolgreich miteinander lernen und wachsen zu können, ist eine sichere Vertrauensbasis zwischen Mensch und Hund unbedingt von Nöten!
Dieses erreicht man bei einem Maremmano Abruzzese, wie auch bei jedem anderen Hund, vor allem durch Bindungsarbeit wie freundliche Behandlung, Spiel zwischen Hund und Hundehalter und Konsequenz im Setzen von Grenzen.
Auch muss man als Halter eines eigenständigen Hundes wie einem Maremmano Abruzzese viel Vertrauen in sich selbst haben, um dem Hund vermitteln zu können, dass man sich in dem, was man tut, sicher ist. Dem Herdenschutzhund muss also vermittelt werden, dass er sich auf seinen Halter verlassen kann.

Verständnis und Kommunikation:

Ein Hund kann die menschliche Sprache natürlich nicht verstehen. Er kann jedoch lernen, menschliche Kommandos und Körpersprache zu erkennen und zu deuten.
Ebenso sollten wir Menschen uns für die "Sprache des Hundes" interessieren. Wir sollten also lernen, die "hündischen Kommunikationsmöglichkeiten" zu verstehen, die aus Mimik, Gestik und Lauten bestehen.
Dazu sollte man seinen Hund sehr genau beobachten und viel Einfühlungsvermögen besitzen - zu diesem Thema gibt es ausreichend Fachliteratur (siehe Buchtipps), die jedem Hundehalter zu empfehlen ist!

Um es dem Hund zu erleichtern, unsere Sprache verstehen zu lernen, sollte man klare, kurze Kommandos wählen, die möglichst eindeutig sind und unverwechselbar klingen. Es sollten möglichst immer die gleichen Worte für eine bestimmte Übung verwendet werden, was wiederum viel Konsequenz und anfangs auch Konzentration von Seiten des Halters verlangt!
Dabei sollten Kommandos immer mit ruhiger, freundlicher, bestimmter und vor allem modulierter Stimme gegeben werden.
Eintöniges Sprechen ohne Veränderung des Tonfalls, der Stimmlage und der Lautstärke erschweren Hunden das Lernen deutlich. Was nun, die Lautstärke betreffend, nicht zur leider immer noch weit verbreiteten Schlussfolgerung führen soll, dass man als Mensch möglichst laut sprechen, wenn nicht gar im militärischen Drillton brüllen müsse, um vom Hund als "uneingeschränkter Führer mit Befehlsgewalt" akzeptiert zu werden.
Ein Hund hat, anscheinend entgegen der veralteten Ansicht vieler lautstark befehlender Hundehalter, ein um ein Vielfaches empfindlicheres Gehör als der Mensch! Warum also Kommandos "brüllen"?
Hinzu kommt, dass man, als "schreiender" Halter in brenzligen Not- oder Extremsituationen keine "stimmlichen Reserven" besitzt, um den Herdenschutzhund verbal in einer eigenständigen Handlung zu stoppen .

Auch permanenter drohender Tonfall als Erziehungsmittel ist als kynologisch veraltet anzusehen (und ist unserer Meinung nach nicht prinzipiell notwendig, um einen Hund dazu zu bewegen, das zu tun, was man als Mensch von ihm verlangt).

"Rangordnung"- sozialer Status:

Für ein problemloses Zusammenleben von Hunden und Menschen ist eine klare "Rangordnung" unabdingbar. Der Familienverband ist für den Hund fast wie ein Rudel, in dem er einen niedrigen Rang einnimmt.
Menschen sind diejenigen, die Regeln für ein sicheres Zusammenleben aufstellen. Dies ist für den Hund keinesfalls unangenehm - solange er eine gute Bindung zu seinem Halter und eine klar zugewiesene Position inne hat, wird er sich wohl fühlen.
Die Frage des sozialen Status ist aber keinesfalls eine Frage, die mit körperlicher Gewalt geklärt werden darf. Es geht hier darum, dem Hund gegenüber eine "natürliche Autorität" auszustrahlen.
Kleine Gesten können helfen, die "höhere" Stellung des Menschen im Sozialgefüge Mensch- Hund zu unterstreichen. Auch zu diesem Thema gibt es viel sehr empfehlenswerte Literatur (siehe Buchtipps).